[KOLUMNE] Verstecktes CO2

Klimakiller 
Internet

Aktuell wird viel √ľber den Klimawandel gesprochen und dar√ľber, wie wir als Individuum positiv beitragen k√∂nnen, um weniger CO2 zu verursachen. Viele K√∂pfe machen sich Gedanken: Wie k√∂nnen weniger CO2-Emissionen in Umlauf geraten, wie kann die Gesellschaft den Konsum und den damit verbundenen M√ľll reduzieren und welche Wege gibt es, um andere zum Umdenken zu bewegen. Begriffe wie pflanzliche Ern√§hrung, Slow-Fashion, Mehrweg statt Einweg, Re- und Upcycling, √∂ffentliche Verkehrsmittel, weniger Flugmeilen oder regional einkaufen sowie der beliebte Minimalismus sind Teil dieser Bewegung. Und nun taucht ein neuer Begriff auf, der sich die letzten Jahre ganz heimlich und ziemlich gut versteckt hat: das Internet.

Inhaltsverzeichnis

So viel CO2 wird benötigt

Doch welche Verbindung hat das Internet mit dem Klima?

Schon morgens √ľberpr√ľfen wir unsere Nachrichten, scrollen zwischendurch immer mal wieder durch die neuesten Instagram-Beitr√§ge, lesen zu Mittag angesagte Kochrezepte und sehen uns am Abend vielleicht einen Film auf Netflix an. Kennt so ziemlich jeder, oder?

Dabei vergessen wir aber: Auch das Internet verursacht CO2. Ziemlich viel sogar! Denn jedes Mal, wenn jemand auf diesem Planeten etwas bei einer Suchmaschine eingibt, ein Video oder einen Film ansieht sowie eine Website öffnet, wird dazu ein Rechner benötigt. 

Laut einer Studie verbrauchten alle weltweiten Rechenzentren im Jahr 2015 ungef√§hr 416 Terrawatt Strom ‚Äď das sind ca. 2 % der globalen CO2-Emissionen, oder ebenso viel wie der ganze Flugverkehr im Jahr 2018. Man spricht sogar davon, dass bis im Jahr 2030 eine Steigerung von bis zu ca. 21 % m√∂glich sei. Cisco geht sogar davon aus,¬†dass sich der IP-Datenverkehr zwischen 2017 und 2022 um das Dreifache erh√∂hen wird: auf 4,8 Zettabyte. Das w√§ren ca. 50 Gigabyte pro Person im Monat. Daf√ľr w√§ren weltweit ungef√§hr 50 Millionen physikalische Server notwendig.

Kurz zusammengefasst: Wir suchen etwas im Internet, dazu werden Rechner ben√∂tigt und diese ben√∂tigen wiederum Energie ‚Äď in Form von Strom. Vor allem aber wird Energie ben√∂tigt, um die Server zu k√ľhlen, damit sie nicht hei√ü laufen.

„30 Minuten Netflix wie 6 Kilometer Autofahrt“

Vor einigen Tagen gab es einen spannenden Bericht √ľber das beliebte Videostreaming im Standard. Es scheint, als w√ľrde man durch Netflix, Prime Video & Co. flei√üig CO2 sparen, da man weder neue Filme einkauft, noch mit dem Auto zum Kino f√§hrt. Doch einer der gr√∂√üten (heimlichen) Energiefresser ist das Streaming von Videos, Filmen und Serien.

Ein kurzes Beispiel: Eine halbe Stunde Netflix soll das¬†√Ąquivalent von ca. 1,6 Kilogramm CO2-Emissionen verursachen, das entspricht etwa einer Autofahrt √ľber 6,3 Kilometer. Ein weiterer, interessanter Vergleich: Die Emissionen der Streamingdienste im vergangenen Jahr haben ungef√§hr jenen von Spanien entsprochen. Und: Ca. 34 % der gesamten Streamingdienste gilt der Serien- und Filmbranche. Den weitaus gr√∂√üeren Anteil √ľbernimmt die Onlinepornografie.

Im Schnitt benötigt eine 

einzelne Suchanfrage auf Google

ca. 0,0003 Kilowatt. Ungefähr 

3,8 Millionen Suchanfragen 

werden bei Google 

in der Minute gestartet.

Was kann man dagegen unternehmen?

Ich denke ein Verzicht per se w√§re undenkbar und auch f√ľr jeden Einzelnen kaum vorstellbar. Tagt√§glich werden ungef√§hr 300 Milliarden E-Mails versandt, ein enormes Wissen ist binnen k√ľrzester Zeit von jedem Standort aus abrufbar und wir sind mit vielen Freunden rund um die Welt eng verbunden. F√ľr mich war diese Technologie nie in Verbindung mit dem Klimawandel, es war „selbstverst√§ndlich“, auf Wissen zur√ľckzugreifen, welches f√ľr mich zudem kostenlos war. Dass jedoch jemand anderes daf√ľr zahlen muss, n√§mlich unsere Erde, war mir nie bewusst.

Laut Greenpeace versuchen auch viele Unternehmen, den eigenen Energiebedarf mit erneuerbaren Energien abzudecken. 2017 gab der Suchmaschinen-Konzern Google bekannt, seine Datenzentren fast zu 100 Prozent aus Solar- und Windkraft zu versorgen. Sollte dies der Wahrheit entsprechen, so w√§re er zumindest ein Vorreiter f√ľr viele Unternehmen, die Rechenzentren betreiben. Denn nur so k√∂nnte man viel CO2 einsparen.

Eine E-Mail verursacht 

ca. 1 Gramm CO2. 

Bei 30 E-Mails am Tag 

könnte man eine 4-Watt-LED 

f√ľr 15 Stunden zum Leuchten bringen.

6 Tipps f√ľr dich und mich

2 Stunden Netflix pro Tag

entsprechen im Jahr

ca. 6.570 kg CO2.

Mit diesem kleinen Faktencheck m√∂chte ich keinesfalls dazu aufrufen, g√§nzlich auf das Internet zu verzichten ‚Äď oh nein! ‚Äď, lediglich den eigenen Konsum zu √ľberdenken und bewusster zu gestalten. Auch f√ľr mich ist das ganze „Neuland“ und sehr spannend ‚Äď und vermutlich muss ich nun zuk√ľnftig bei jeder E-Mail daran denken, wie viele LED-Lampen ich bereits zum Leuchten gebracht habe …

Weniger Zeit auf Social Media sowie auf Netflix & Co. bedeutet, dass wir Zeit geschenkt bekommen (yeay!), die wir nun bewusster, sinnvoller und nachhaltiger gestalten k√∂nnen. Wie w√§r’s mit einem guten Buch (old school), einer Bergtour oder einem Abendessen mit Freunden?

Auch √Ėkostrom ist eine gute Alternative, um weniger CO2 zu verursachen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an guten Anbietern.

In den meisten F√§llen ist es nicht m√∂glich, einen ganzen Tag auf das Handy zu verzichten. Aber vielleicht immer wieder einmal f√ľr ein paar Stunden? Ich denke, das sollte jeder von euch (und auch ich) schaffen!

Offline statt online. Klar, jeder lässt sich gerne einmal berieseln, inspirieren und so weiter. Doch ganz ehrlich: Wir verbringen alle viel zu viel Zeit im Internet. Also, los und raus mit dir!

Da wir gerne unsere Ger√§te benutzen, brauchen auch diese immer wieder einen geladenen Akku. Der Strom hierf√ľr kommt zu den bereits entstandenen CO2-Emissionen hinzu. Ein Tipp: Die Ger√§te zwar aufladen, aber nicht Stunden sp√§ter noch am Ladekabel stecken lassen.

In den letzten Jahren versuche ich, mein Leben immer bewusster zu gestalten, nachhaltiger. Wie viel CO2 ich jedoch durch Handy, Laptop und Co. verursache, war mir nie wirklich bewusst. Vielleicht einfach mal bei Freunden und Familie anmerken?

Hier findest du einen spannenden Bericht von Stern, welcher sich mit dem Energiekonsum von Google & Co. beschäftig. Auch Datacenter Insider und das Netzwerk Energie-effiziente Rechenzentren widmen sich auf einem eigenen Blog regelmäßig dem Thema Klimawandel, neuen Technologien und energieeffizienten Maßnahmen. Viel Spaß beim Stöbern.

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