[KOLUMNE] Mikroplastik

Wie gefährlich ist 
Mikroplastik?

Neben Begriffen wie Klimawandel, Umweltverschmutzung und erneuerbare Energie hört man auch immer öfter von dem sogenannten Mikroplastik. Erst neulich habe ich wieder einen guten Artikel über die feinen Kunststoffteilchen gelesen. Und, obwohl ich mich bereits oft mit dem Thema auseinandergesetzt habe, fand ich es erschreckend, wie stark es uns dennoch im Alltag begleitet und stets beeinflusst.

Inhaltsverzeichnis

Denn: Das größte Müllproblem der Welt heißt Mikroplastik. Je nach Schätzung gelangen zwischen vier bis acht Millionen Tonnen Plastik pro Jahr ins Meer, etwa die Hälfte davon ist Mikroplastik. Die kleinen bis kaum sichtbaren Teilchen – einen tausendstel bis fünf Millimeter groß – gelangen in alle Winkel und Ecken dieser Welt und werden uns Menschen noch übe viele hundert Jahre Kopfzerbrechen bereiten.

Knapp 90 % der Meeresoberfläche sind schon mit Mikroplastik kontaminiert – von der Arktis über die Ostsee, vom Mittelmer bis zum Pazifik. Hinzu kommt Nanoplastik. Hierbei handelt es sich um Plastik, welches tausendmal kleiner ist als Mikroplastik. Für Studien leider kaum erfassbar.

Mikroplastik sammelt sich jedoch nicht nur in den Meeren, sondern ist auch in unserem unmittelbaren Lebensraum sichtbar: im Boden, in der Luft, im Schnee, in Flüssen und Seen und – ja (!) – ebenso in unserer Nahrung.

Doch wie gelangt Mikroplastik in die Umwelt?

Die Hauptverursacher von Mikroplastik sind Autos und ihre Infrastruktur: Der Abrieb von Reifen, von Fahrbahnmarkierungen sowie von Bitumen aus dem Asphalt (Bindemittel) machen zusammen die Hälfte der Emissionen aus. Nicht nur in der ersten Verwendung (Reifen), sondern auch in dem Upcycling-Prozess, der folgt. Wie zum Beispiel Böden für Spielplätze, Sportzentren oder als Kunstrasen. So gelangen die kleinen Teilchen wiederum in die Umwelt.

Dann gibt es noch die sogenannten „Plastik-Pellets“, die von der Kunststoffindustrie als Halbfertigprodukt produziert werden – zur Weiterverarbeitung oder als Rohmaterial. Daraus entsteht zum Beispiel Spielzeug, Folien und viel mehr. Aber sie werden auch eingesetzt, um Lacke zu erzeugen oder als Feuchtigkeitsabsorbierer bei Windeln für Babys und Kleinkinder.

Ein weiterer Teil, wie Mikroplastik in unsere Umwelt kommt sind all die materiellen Dinge, die uns in unserem Alltag begleiten: Verpackungen, die oftmals in der Natur landen, Kleidungsstücke, die aus Polyester oder Acryl hergestellt werden – und die damit verbundenen Fusseln, die über die Waschmaschine in die Kanalisation und wiederum in die Umwelt fließen – sowie chemische Inhaltsstoffe bi Putzmitteln, Dünger & Co. So trägt zum Beispiel der Schlamm aus Klärwerken der konventionellen Landwirte dazu bei, dass sogar nach der Filterung rund 95 Prozent des Mikroplastiks aus dem Abwasser wieder in die Umwelt retour geführt wird.

Auch in unserer Kosmetik war Mikroplastik ein beliebter Inhaltsstoff: Es dient als “Peeling-Effekt” und senkt die Produktionskosten von Hautcremes, Lippenstiften, Shampoos, Duschgels, Peelings und Zahnpasta. Mittlerweile verzichten viele Hersteller auf Mikroplastik bzw. wurde der Anteil um 97 % reduziert.

Selbst wenn wir die Mikroplastikquellen mit sofortiger Wirkung versiegeln, würde der Müll zunächst zunehmen. Denn das bereits produzierte, große Plastik wird erst in der Zukunft in kleine Teile verfallen. Und so schwebt das Mikroplastik seelenruhig um den Planeten, wird durch die Gezeiten wie Schnee und Regen ausgewaschen und sinkt sanft auf die Erde nieder.

Laut dem Beitrag haben Forscher in Paris pro Kubikmeter Luft 200 Mikorplastikteilchen gezählt, auch an entlegenen Orten wie in den Alpen oder den Pyrenäen. Schön, oder?

Eine Einkaufstüte schwimmt

10 bis 20 Jahre lang im Meer,

bis sie vollständig zerrieben ist.

Eine Angelschnur

schwimmt 600 Jahre lang

im Meer,

bis sie vollständig

zerrieben ist.

Mikroplastik: Welche Gefahren
bringt es mit sich?

Wir sind umgeben von kleinen Plastikteilchen, sie sind rund um uns und auch in uns. Denn: Mikroplastik ist bereits im menschlichen Körper angelangt. Laut einer Studie von Wissenschaftler um den kanadischen Meeresbiologen Kieran Cox nimmt ein US-Amerikaner allein beim Essen und Trinken pro Jahr zwischen 39.000 und 52.000 einzelne Mikroplastikteilchen auf. Vielleicht sogar um viel mehr, da die untersuchten Lebensmittel nur 15 Prozent der üblichen Kalorienaufnahme ausmachten. Hinzu kommt Plastik aus der Luft, aus Kleidung, der Kosmetik.

Eine weitere interessante Studie ist die, in der Mikroplastik ebenso im Kot gefunden wurde. Acht Teilnehmer zwischen 33 und 65 Jahren – aus Nord- und Südeuropa, Russland du Japan – die sich „normal“ ernähren, ließen im Jahr 2018 ihren Kot untersuchen. Die österreichischen Forscher fanden bei allen Probanden ca. 20 Teilchen pro zehn Gramm Stuhl. Ganze neun verschiedene Plastiksorten wurden gefunden: insbesondere Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET). Vor allem durch Fische, die man isst, wird Mikroplastik aufgenommen. Die Fische essen die kleinen Partikel, die sich kaum von Plankton unterscheiden.

Wie werden wir Mikroplastik
wieder los?

Leider ist es nicht ganz so einfach, wie wir uns das wünschen. Am sinnvollsten wäre es, eine Vielzahl an Maßnahmen umzusetzen, doch leider braucht es hierzu noch ein Umdenken der Menschen, die diese Industrien in der Hand haben.

Gut wäre es, wenn Klärwerke eine vierte Reinigungsstufe einführen, bei der das Abwasser nochmalig und fast zu 100 Prozent gereinigt werden würde. So könnten nicht nur Mikroplastikteilchen, sondern auch Medikamentenreste und Hormone gefiltert werden. Laut dem Bericht würde hierzu ein Absorptionsverfahren nötig sein (mit Aktivkohle und nachfolgender Tuchfilterung). Ebenso ist bereits eine neue Klärschlammverordnung in Kraft getreten, in der der kontaminierte Schlamm ab dem Jahr 2032 nicht mehr auf die Felder aufgetragen werden darf, sondern verbrannt werden muss. Doch ob das sinnvoll ist? Ich frage mich, welche Energie hierzu nötig sind, welche Belastungen dadurch entstehen und ob dies auch wirklich umgesetzt wird oder sich doch noch einiges ändern wird bis zum Jahre 2032?

Auch an der TU Berlin wird fleißig entwickelt: Ingenieure erarbeiten ein mineralisches Gullysieb sowie leistungsstärkere Straßenkehrmaschinen, um Reifenabtrieb von Autos aufzufangen. Umweltinitiativen fordern Filter für Waschmaschinen, über haltbarere Autoreifen wird nachgedacht und vieles mehr. Ich denke, es gibt gute Lösungsansätze, um das Problem wieder zur reduzieren. Viel besser wäre jedoch ein Umdenken bei denen, die diese Partikel produzieren. Und: Ebenso entscheiden ist auch eine hohe Qualität und die damit verbundene Langlebigkeit der Produkte.

Ein Becher aus Styropor

schwimmt 50 Jahre

lang im Meer,

bis er vollständig

zerrieben ist.

Wie viel Plastik braucht der Mensch?

Laut einer Studie von 2015 fielen 407 Millionen Tonnen Plastik weltweit an.

Achtung:
Bioplastik ist nicht gut!

Bioplastik, ein gängiges Wort, ein Trend. Und das fatale: Trends werden kaum oder selten hinterfragt, viele Unternehmen springen auf, nutzen die Verkaufsmöglichkeit und stellen sich in gutes Licht. Doch was steckt wirklich hinter Bioplastik? Man könnte meinen, es werden Rohstoffe aus biologischer Landwirtschaft genommen, doch vielmehr wird Bioplastik aus Rohstoffen erzeugt, die aus industrieller Landwirtschaft kommen bzw. auf petrochemischer Basis hergestellt werden.

Es gibt Biokunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffe – wie etwas Mais, Zuckerrohr oder Zellulose. Diese können, müssen aber nicht aus biologischer Landwirtschaft stammen. So kann Bioplastik ebenso aus gentechnisch verändertem Mais bestehen, oder aus Rohstoffe, die mit giftigen Pestiziden und Düngern großgezogen worden sind.

Und es gibt Bioplastik, aus nicht nachwachsenden Rohstoffen, die gänzlich aus petrochemischen Grundstoffen bestehen. Daher: Bioplastik heißt nicht, dass es zuhause kompostierbar ist! Unbedingt darauf achten! Als Konsument ist es schwierig, den Überblick zu bewahren und es bestätigt, dass ein Umdenken notwendig ist, anstatt Bioplastik zu vermarkten und so die Wegwerfkultur zu fördern.

Zum Abschluss möchte ich euch noch den Plastikatlas von Global2000 ans Herz legen, der ist echt informativ und richtig toll.

Empfohlene Beiträge

Noch kein Kommentar, Füge deine Stimme unten hinzu!


Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.