[KOLUMNE] Berüchtigte Zeitdiebe

Wer hat an der Uhr 
gedreht?

„Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit. Es gibt Kalender und Uhren, um sie zu messen, aber das will wenig besagen, denn jeder weiß, dass einem eine einzige Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunter kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen – je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt. Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.“ – Momo.

Inhaltsverzeichnis

Zeit haben, finden und
schenken

Es scheint, als wäre unser kostbarstes Gut die Zeit – für Familie und Freunde, Hobbys und Abenteuer, aber auch für sich selbst. Sich Zeit nehmen, um Zeit zu haben – kein unbekanntes Vorhaben. Schon in dem Kinderbuch Momo wird deutlich, wie wertvoll die Zeit sein kann und dass es keine Zeitsparkassen und -konten gibt, die sie uns für einen späteren Zeitpunkt aufheben. 

Zeit fließt beständig. Und sollte sich im Alltag – dank eines Terminausfalles – ein Zeitfenster ergeben, so wird dieses selten mit Muße gefüllt, vielmehr aber mit einer weiteren Beschleunigung genutzt, denn nun kann man noch mehr erledigen und den Tag mehr ausschöpfen

Seit Benjamin Franklins Diktum, das Zeit Geld ist, kam es zu einer zunehmenden Ökonomisierung. Die Zeit wurde als Währung anerkannt, ein kostbares Gut für jedermann. Zeitknappheit ist somit nicht das Problem eines Einzelnen, sondern steht heutzutage in vielfachen Kontexten, besonders in der Ökonomie: Effizienzsteigerungen, stetiger Wettbewerb und das Verlangen nach Wachstum. Ob im Beruf, im Gesundheitswesen, in der Kultur oder in der Freizeit, in all diesen Segmenten ist das Streben nach Zeitoptimierung und Leistungssteigerung gestiegen. Doch wie viel von diesem mehr tun und mehr haben beflügelt unser eigenes Sein?

Ein spannendes Buch, über das Sparen der Zeit findest du hier.

Melancholie fördert
Umdenken

Ganz selten gibt es diese Momente, in denen mich die Melancholie überkommt. Die letzten Tage war sie immer öfter spürbar, lies mich innehalten und forderte mich dazu auf, den Mut zu haben, mir Zeit zu nehmen – für mich selbst. Und es überraschte mich, dass mich dieses „einmal-nachdenken“ gerade in dieser Woche tief berührte. Mein Geburtstag stand vor der Tür und bisher gab es noch nie diesen einen Augenblick, in dem ich mein Leben, mein Handeln und auch meine Entscheidungen infrage gestellt hätte. Es war gut, so wie es ist.

Und dennoch tauchte die Frage „Bin ich glücklich“ immer öfter in meinem Kopf auf, zuerst ganz leise, doch mit jedem Tag, an dem ich die Frage in den letzten Winkel meines Kopfes schob, wurde sie drängender. Ja, bin ich denn glücklich? Und was bedeutet Glück?

Einmal Revue und retour

Als ich nun hier sitze, auf meiner Terrasse vor meinem Haus, umgeben von einem sanften Rauschen des Baches und den Blättern, die sich vor dem Winter leise verabschieden und zu Boden segeln, frage ich mich „Wie kam ich nur hier her?“. Schon immer war es mein Traum, ein Zuhause in der Natur zu haben, fernab von Straßen und anderen Häusern. Und zu schrieben, oh wie ich es liebe. Morgens mit einem Kaffee aufzustehen und sich an einen Platz zu setzen und einfach loszulegen. Kreativ sein.

Nun, da mich die Melancholie stets begleitet, schweifen meine Gedanken zu all den Abenteuern, Schwierigkeiten und Herausforderungen, die ich hatte. Und obwohl es manchmal aussichtslos erscheint und es stets viele Träume zum Verwirklichen gibt, fühle ich – tief in mir – eine Ruhe. Ich bin hier angekommen. Fühle mich Zuhause.

Ich denke, es ist nicht immer der Reichtum oder der Besitz von materiellen Gütern, die einem Glück transportieren. Vielmehr ist es die Fähigkeit, in sich zu hören, die Geräusche der Umgebung auszublenden und Spürbares in Worte zu fassen. Natürlich gibt es immer mehr zu erreichen, zu kaufen oder zu besitzen, doch letztendlich wird der Moment kommen, in dem man spürt, dass all die schönen Dinge, den Sturm in einem Selbst nicht lösen können. Sondern es ist die Zeit, in der wir uns mit uns selbst beschäftigen, in der wir durchatmen und loslassen. Einfach, um den gegenwärtigen Moment zu genießen.

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